Ein Abschied?

Der ein oder andere mag es sich vielleicht schon gedacht haben: die Zukunft dieses Blogs steht in keinem besonders guten Licht.
Die lange Ruhepause und vor allem das Ende war so nicht geplant, doch zumindest für mich absehbar, denn in den letzten Monaten war der Blog für mich nicht mehr ein Ort der Entspannung und der Gedankenverarbeitung, sondern wurde zur lästigen und einengenden Pflicht.
In den 3 Monaten Pause hätte es viel gegeben, über das ich hätte bloggen können, doch ich wollte nicht. Das Gefühl der Anonymität und des Nicht-Verurteiltwerdens, das es mir ermöglichen sollte, wirklich über das zu schreiben, was mich beschäftigt, war aus welchen Gründen auch immer nicht mehr da und dann sollte man einen Schlussstrich ziehen.
Außerdem hat sich etwas Grundlegendes verändert: ich bin keine Schülerin mehr. Und obwohl das anfangs nicht mein Plan war, habe ich doch hauptsächlich über die Schule gebloggt und jetzt einfach weitermachen – das passt für mich irgendwie nicht. Vielleicht gibt es in Zukunft den einen oder anderen Eintrag, der sich noch auf meine Schulzeit bezieht oder mal eine geschützten Beitrag über mein FSJ, aber das werde ich spontan entscheiden.

Neue Wege

Das mündliche Abi liegt hinter mir, der Stress hat sich gelohnt. Den Vortrag habe ich mit Bravour gemeistert, die Fragen im Kolloquium, vor dem ich ja so Angst hatte, waren wie für mich gemacht.
Die Schulbücher sind abgegeben, das Abizeugnis liegt auf meinem Schreibtisch.
Ich bin nun offiziell keine Schülerin mehr.
Der Abend nach der Zeugnisverleihung wurde dann auch dementsprechend lang und nicht nur wir, sondern auch manche Lehrer waren ordentlich in Feierlaune (wahrscheinlich deswegen, weil wir endlich weg sind). Zitat: „Was, schon 4? Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr, noch nach Hause zu gehen. Bringt ihr mich nachher in die Schule?“
Zumindest wissen wir jetzt, welche Kneipe in der Kleinstadt auch unter der Woche erst um halb acht morgens schließt und wie man ungesehen von anderen Lehrern zum Hintereingang in die Schule kommt.

Realisiert, dass es jetzt wirklich vorbei ist, habe ich noch nicht. Liegt vielleicht auch daran, dass ich letzte Woche doch irgendwie jeden Tag in der Schule war wegen irgendetwas und wahrscheinlich auch nächste Woche kaum einen Weg finden werde, nicht jeden Tag zumindest an ihr vorbei zu laufen.
Wahrscheinlich braucht es einen Wandel im Leben, der für mich ja im September beginnt, wenn ich jeden Tag anstatt in die Schule zu gehen, in die andere Richtung zur Arbeit gehe, wenn ich nicht mehr meine ehemaligen Mitschüler und Lehrer um mich herum habe, sondern ganz neue Gesichter.
Auch wenn ich den letzten 8 Jahren hinterhertrauern und mich immer wieder gerne an die Zeit zurückerinnern werde, so freue ich mich doch auf diesen mir bevorstehenden Wandel, auf die neue Stadt, die neuen Leute, die neue Tätigkeit.

Ich sehe schwarz.

8 Jahre lang (ok, vielleicht waren es auch nur 5 oder 6) war die Standardausrede bei vergessenen Referaten/Handouts/Hausaufgaben/GFS-Zetteln, dass der Drucker just an diesem Tag den Geist aufgegeben hat.
Und wann gibt der Drucker wirklich mal seinen Geist auf?
Zwei Tage vor dem mündlichen Abitur, wenn ich gerade dabei bin, meine Folien, Handouts und Karteikarten zu drucken.
Was.soll.der.Scheiß.?

Als hätte ich nicht schon genug Stress mit diesem beschissenen Vortrag (der jetzt zwar endlich steht, aber trotz zahlreicher Kürzungen immer noch eine halbe Minute zu lang ist).
Nein, jetzt hocke ich lieber fluchend auf dem Boden, voll mit Druckerfarbe und versuche das Ding wieder zum Laufen zu bringen, fahre dumm in der Gegend herum um meinen Scheiß irgendwie gedruckt zu bekommen und schreibe meine Karteikarten von Hand. Ich hasse von Hand geschriebene Karteikarten! Die sind einfach nur unübersichtlich und bäh.

Brett vorm Kopf

Es ist zum heulen, das mit dem mündlichen Abi.
Nachdem die Welt am Montag nach der Bekanntgabe des mündlichen Abithemas und nach dem ersten Recherchieren noch gut war, sieht es jetzt lang nicht mehr so rosig aus. Denn nach zwei Tagen intensiver Beschäftigung mit dem Thema, bin ich noch nicht weiter als am Montagabend.
Ja, das Thema ist toll und interessant und ich verfüge über ein einigermaßen fundiertes Hintergrundwissen und habe mir auch schon 5 Seiten Informationen aus Büchern, Heften und Internet herausgeschrieben, doch die in der Prüfung zu diskutierende Fragestellung bringt mich an den Rand der Verzweiflung. Ich habe keine Ahnung, wie ich die Frage beantworten soll, bzw. wie ich meine Antwort begründen soll. Ich habe keine Ahnung, was die Prüfungskommission hören will und ob meine bis jetzt noch unbegründete Antwort überhaupt stimmt. Ich frage mich, warum der Prüfungsvorsitzende genau dieses wahnsinnig undurchsichtige Thema herausgesucht hat und ob er unter der Fragestellung überhaupt das selbe versteht wie ich. Ich habe überhaupt keine Idee, wie ich mit meinem aktuellen Wissensstand eine gute Präsentation aufbauen soll und habe Angst, am Thema vollkommen vorbei zu reden. Ich fürchte mich vor dem Kolloquium nach meiner Präsentation, und zwar nicht vor den Wissensfragen – die sollten bei einem fairen Prüfer kein Problem sein-, sondern vor den Fragen, wo ich eine Situation oder einen Sachverhalt beurteilen soll, zu dessen Beurteilung ich mich nicht im Stande fühle.

Ich bin kurz vor dem Durchdrehen. Halt Stop, nein. Ich bin niemand, der durchdreht. Ich verliere meine Nerven nie – zumindest nicht in solchen Situationen. Aber ich bin am Rand der Verzweiflung und darauf folgt bei mir schnell die Resignation.
Und die Resignation darf nicht kommen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse sind da.
Anders als einige andere kann ich mich eigentlich nicht beschweren. Mein Abi steht nicht auf der Kippe, ein gutes 2er Abi ist durchaus noch drin. In eine mündliche Nachprüfung zu gehen, zusätzlich zur regulären mündlichen Prüfung, wäre nur dafür gut, um mein leider leicht angeschlagenes Ego zu pushen.
Mathe und Englisch fielen wie vermutet aus und mich freut es nur, dass ich mir in Englisch das Ergebnis durch diese eine verflixte Aufgabe nicht allzusehr verbaut habe. Deutsch lief besser als erwartet und war meine bis jetzt beste Klausur. Nur das Erfebnis des vierten Prüfungsfachs war eine reine Enttäuschung.
Ihr erinnert euch an meine Aussage von gestern, dass 8 Punkte mich ankotzen würden? Naja, ich liege darunter. Aber nicht nur bei mir war das Ergebnis ein Schock, sondern bei allen. Die Fachlehrerin kann sich nicht erklären, wie Zweit- und Drittkorrektor bei allen auf solche grottigen Ergebnisse gekommen sind. Selbst Schüler, die mit einer 1 angemeldet waren, kamen jetzt aus der Prüfung mit einer 3 oder sogar einer 4 raus. Ärgern tut mich vor allem, dass das Prüfungsergebnis meine Gesamtnote von einer soliden 2 auf eine gaaanz knappe 3 herunterzieht. Ist gleich mal ein klasse Gefühl für das anstehende Studium.

Dann bekamen wir noch die Themen unserer (regulären) mündlichen Prüfung.
Es ist nicht das Thema geworden, auf das ich insgeheim schon eingestellt war, aber zum Glück auch keins der Themen, vor denen ich Angst hatte. Ich denke mit dem Thema jetzt werde ich mich anfreunden können und hoffentlich ein ordentliches Ergebnis erreichen.

Sonnenbrand

Tjaja, die letzten Ferien als Schülerin sind nun also tatsächlich vorbei.
Und um das nochmal richtig zu genießen waren wir auf unserer letzten „Klassenfahrt“ – unserer Abifahrt an die Costa Brava in Spanien.
Anfangs fühlte es sich tatsächlich an wie eine Klassenfahrt, inklusive im Bus Bier verstecken, bis uns auffiel, dass gar kein Lehrer anwesend war und Streit wegen der Zimmeraufteilung. Beim Besuch einer Cocktailbar am ersten Abend und dem Heimweg vom Club um 5 Uhr morgens war dann das Gefühl von Freiheit aber endgültig da.
Eine komplette Woche verbrachten wir also zwischen Strand (es ist keine gute Idee dort einzuschlafen, wenn man Sonnenbrand vermeiden will), Pool, Dönerladen (das Hotelessen war ungenießbar), Cocktailbars und Clubs und genossen unser Leben, inklusive Handyraub während eines Telefonats, ins Krankenhaus eingeliefertem Klassenkameraden, der sich ins Koma gesoffen hatte mit einhergehender Flucht vor den Mossos und gefeuertem Hotel Barkeeper, der sich dank Alkoholpegel am Zapfhahn festhalten musste, um nicht umzufallen.

Ein Erlebnis am ersten Abend blieb mir deutlich in Erinnerung:
Wir saßen in einer Cocktailbar, die im Laufe der Woche zu unserer Stammbar werden sollte. Die Musik war laut und wir alle reichlich fertig von der fast 18 stündigen Fahrt. Ich saß zurückgelehnt mit meinem Cocktail in der Hand da und schaute ohne mich mit jemandem zu unterhalten in die Runde. Wegen der lauten Musik sah ich nur, dass sich meine Freunde unterhielten, hörte aber nichts. Doch aus irgendeinem Grund überkam mich ein wahnsinnig glückliches Gefühl, wie ich sie alle dort sitzen sah. Es war nichts bestimmtes, kein Gefühl, dass ich näher hätte beschreiben können, keine Erinnerung, die eine bestimmte Gestalt hatte, sondern einfach so ein tiefes Glücksgefühl in meinen Körper.

Morgen gibt es dann das Zeugnis zum 4. Halbjahr und damit womöglich eine böse Überraschung für einige Leute, die noch nicht sicher wissen, ob sie überhaupt zum Abitur zugelassen werden.
Außerdem gibt es die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen und da bin ich echt mal gespannt.
Mathe ist auf jeden Fall unterpunktet, geschockt werde ich also von nichts sein, wobei ich noch auf 3 Punkte hoffe. Deutsch wird wahrscheinlich etwas zwischen 8 und 10 Punkten, im vierten Prüfungsfach irgendetwas zwischen 8 und 12, wobei mich ersteres schon eher ankotzen würde und auf Englisch bin ich echt gespannt. Nach der Prüfung hatte ich ja ein ziemlich gutes Gefühl, aber je weiter sie weg ist, desto unsicherer bin ich mir bei der Sache, da es zumindest bei einer Sache sehr vom Korrektor abhängig ist und man mit einer nicht perfekt bewerteten Aufgabe ziemlich schnell aus dem 1er Bereich raus ist, was definitiv mein Ziel war.
Und weil das alles noch nicht genug ist, bekommen wir morgen auch noch unsere Themen für’s mündliche Abitur, das in einer Woche ist und vor dem ich definitiv wahnsinnigen Respekt habe, da die Themen mich absolut überfordern. Mit ein oder zwei von ihnen kann ich wahrscheinlich noch was anfangen, bei den anderen beiden wäre ich absolut aufgeschmissen.
Man wird’s sehen.

Vorbei

Die letzte Schulwoche, sie ist tatsächlich vorbei. Und sie war enttäuschenderweise ziemlich unspektakulär. Ich weiß nicht, was genau ich eigentlich erwartet habe, aber mit Sicherheit nicht, dass jede Stunde ein nur ein Film geschaut wird. Außerdem waren wir ganz viel Frühstücken, Kaffeetrinken und Eisessen. Am Mittwoch fragte der Kellner der Stammeisdiele sogar, warum eigentlich immer die gleichen Leute mehrmals am selben Tag kommen.
Auch heute tröpfelte alles über den Tag verteilt auseinander. Ein paar Kurse waren gar nicht da, weil sie Frühstücken oder Eisessen waren (Surprise!), bei anderen fielen Stunden aus und so verließ ich schlussendlich die Schule nur mit zwei anderen Freunden mitten in der Unterrichtszeit und der letzte „Feeerien“-Ruf auf dem Hof hörte sich dementsprechend jämmerlich aus.

8 Tage

Die vorletzte Hürde ist geschafft, ein Drittel des Englischabiturs mit voller Punktzahl in der Tasche. 2 Stunden vor der Prüfung erklärten wir den Oberstufenraum für eine English Zone und jeder der sich nicht an die Regeln hielt und versuchte, deutsch zu sprechen, wurde auch knallhart rausgeschmissen. Im Vorbereitungsraum konnten wir unser Glück dann kaum fassen, denn das Thema war einfach und das Material dazu schlichtweg genial. Die 20 Minuten Prüfung verging wie im Flug und mein Prüfungspartner und ich hatten so viel zu sagen, dass wir kaum Zeit hatten, Luft zu holen. Allerdings lief es nicht bei allen so gut wie bei uns. Manche meiner Freunde waren waren vom Ergebnis schockiert und bei einigen Themen bin ich mir sicher, dass auch ich nicht 15 Punkte bekommen hätte.

Jetzt stehen noch die letzten acht Schultage an. Acht Schultage! Das ist der Wahnsinn, das sind nicht mal mehr zwei Wochen. Viele meine Klassenkameraden freuen sich schon sehr, dass es bald vorbei ist und auch ich freue mich, dass bald die Ferien kommen, die Abifahrt und ich dann sagen kann, ich habe mein Abitur.
Aber ich bin definitiv noch nicht bereit, in acht Tagen weg von dieser Schule zu sein. Die letzten paar Wochen und eigentlich schon das ganze letzte halbe Jahr waren einfach nur der Wahnsinn und ich hatte so viel Spaß in der Schule und habe wirklich das Gefühl, endlich das auskosten zu können, was Schule eigentlich ist, hab das Lernen und das Diskutieren richtig genossen, mit den Lehrern ein geniales und eigentlich optimales Verhältnis gehabt, nämlich das, was ich aus den USA so vermisse, und das soll jetzt plötzlich vorbei sein.
Ich weiß natürlich, dass ich nicht lebenslang so weitermachen kann und dass ich „weiterziehen“ muss, dass ich erwachsen werde und es einfach dazu gehört, irgendwann mit der Schule fertig zu sein und Veränderungen zu haben.
Aber das Kind in mir sträubt sich dagegen, versucht, den absolut absurden Gedanken in meinem Kopf zu verpflanzen, dass doch alles gerade so perfekt ist und dass ich auch in der Schule erwachsen werden kann, genug lerne, meinen Platz in der Gesellschaft finden werde.
Das schlimme ist, dass ich geneigt bin, genau dies zu glauben. Dabei weiß ich doch, dass die letzten zwei Jahre durchaus kein Zuckerschlecken waren und ich vor allem in der 11. Klasse ziemlich am Limit war. Dass Schule nunmal nicht darauf ausgelegt ist, uns mehr Wissen zu vermitteln, als Abiturniveau und es deswegen nicht ohne Grund Universitäten gibt. Dass wir Abiturienten zwar wesentlich mehr dürfen, als alle anderen Schüler, aber dass das nur daran liegt, dass wir eben in ein paar Wochen der Schule endgültig den Rücken kehren. Dass wir zwar mit vielen Lehrern ein gutes Verhältnis haben, sich aber spätestens am Lehrerzimmer doch wieder die Wege trennen und wir uns zwischen die schreienden Unterstüfler begeben.
Ich vergesse nur allzu gerne, dass ich vielleicht von den Schülern meiner Schule mit das beste Verhältnis mit Lehrern, Sekretärin und Schulleitung habe und dass ich verglichen zu den anderen Schülern verdammt viel darf, aber dass ich eben auch nur dieser eine Schülerin vom Abijahrgang 2015 bin und es nächstes und übernächstes und alle Jahre danach wieder genauso eine Schülerin hat, die von der Sekretärin bedenkenlos den Schlüssel für den Schulkeller bekommt, in dem alte Abiklausuren und Schulakten lagern, die das WLAN-Passwort hat, die regelmäßig freitagnachmittags zum Lehrer-Volleyball eingeladen wird, die Quellen für den köstlichen Lehrerzimmer-Kaffee hat und die deswegen verdrängt, dass sie in der Schul-Hierarchie trotzdem noch ziemlich weit unten steht und deren Namen in zwei, drei Jahren wahrscheinlich nur noch die wenigsten kennen.

In den nächsten acht Tagen werde ich das nicht mehr kapieren. Auch nicht, wenn nach den Pfingstferien das mündliche Abitur ansteht, der Abischerz und schlussendlich der Abiball. Wahrscheinlich auch nicht im Juli, wenn ich zuhause oder im Freibad sitze und mit Freunden die jüngeren zwar auslache, dass sie bei (hoffentlich) bestem Wetter in der Schule sitzen müssen, sie aber innerlich beneide, dass sie die Zeit noch vor sich haben.
Vielleicht akzeptiere ich die Veränderung, wenn sie da ist. Wenn im September ein neuer Lebensabschnitt beginnt, kann ich mich vielleicht auch besser auf etwas einlassen, von dem ich bis jetzt noch keine Ahnung habe. Ich werde den ganzen Tag beschäftigt sein mit meinem FSJ, tagsüber in einer anderen Stadt sein als im Moment, einen Lateinkurs an der Volkshochschule machen. Bis November, wenn das nächste Schulfest an meiner Schule ist, habe ich keinen Grund, das Gebäude zu betreten, die Leute zu sehen. Vielleicht sieht meine Welt bis dahin schon ganz anders aus. Hoffentlich.